Schnelles Spanisch

Wenn ich spanische Wörter einzeln höre, verstehe ich sie oft problemlos. Im Satz dagegen scheinen dieselben Wörter plötzlich in einem einzigen Lautstrom zu verschwinden. Man hört ihn und denkt nur: Was war das denn jetzt?

Der Grund ist nicht nur das Sprechtempo. Entscheidend ist vor allem, dass im Redefluss Silben miteinander verschmelzen.

Aus fünf Silben werden vier

Ein einfaches Beispiel ist: voy a hacerlo.

Auf dem Papier sieht das nach fünf Silben aus: voy – a – ha – cer – lo

Das h wird nicht gesprochen. Dadurch treffen in a hacerlo zwei gleiche Vokale aufeinander. Sie werden im natürlichen Redefluss nicht getrennt ausgesprochen, sondern verschmelzen.

Gesprochen höre ich deshalb: voy – a – cer – lo

Aus fünf erwarteten Silben werden vier tatsächlich gesprochene Silben.

Spanisch wird verbunden statt stark gestaucht

Im Deutschen variiert das Tempo innerhalb eines Satzes stark. Betonte Silben werden quasi sorgfältig ausgesprochen, unbetonte Silben dazwischen beschleunigt und ihre Vokale verkürzt.

Spanisch wirkt rhythmisch gleichmäßiger. Die einzelnen Silben bleiben tendenziell gleich lang. Schnelles Sprechen entsteht deshalb nicht nur dadurch, dass der Takt insgesamt beschleunigt wird. Es entstehen vor allem, weniger Silben, weil Vokale über Wortgrenzen miteinander verschmelzen.

Wortgrenzen sind nicht hörbar

Beim Lesen sehe ich:

Voy | a | hacerlo

Gesprochen entsteht daraus eine einzige zusammenhängende Lautgruppe:

voyacerlo

Das Problem ist deshalb nicht nur die Geschwindigkeit. Ich suche beim Zuhören nach Wortgrenzen, die akustisch gar nicht vorhanden sind. Ich muss nicht einfach schneller hören. Ich muss lernen, den Lautstrom anders zu gliedern.

Den Silbentakt wirklich klopfen

Das entscheidende Training besteht darin, den Rhythmus körperlich mitzuvollziehen.

Bei voy a hacerlo klopfe ich vier Schläge:

voy – a – cer – lo

Ich höre einen kurzen Satz mehrfach und klopfe jede tatsächlich gesprochene Silbe auf den Tisch oder auf mein Bein.

Wann wird was zusammengezogen

Das passiert vor allem in zwei Situationen:

1) Konsonanten wandern zur nächsten Silbe

Steht am Ende eines Wortes ein Konsonant und beginnt das nächste mit einem Vokal, wird der Konsonant beim Sprechen der nächsten Silbe zugeschlagen:

  • mis amigosmi-sa-mi-gos
  • mi amigomia-mí-go
  • tu abuelotua-bué-lo

2) Vokale werden zu einer Silbe verbunden

Treffen an einer Wortgrenze zwei Vokale aufeinander, werden sie im flüssigen Sprechen häufig zu einer einzigen Silbe verbunden – besonders dann, wenn sie unbetont sind.

Gleiche Vokale können dabei zu einem einzigen zusammenfallen:

  • voy a hacerlovoy-a-cer-lo.

Bei langsamer, besonders deutlicher oder nachdrücklicher Aussprache bleiben die Vokale eher getrennt. Auch eine Betonung kann die Trennung begünstigen, verhindert die Verbindung aber nicht grundsätzlich. Es geht also nicht darum, Laute wahllos zu verschlucken, sondern darum, sie zu einer möglichst flüssigen Silbenkette neu zu ordnen.