Spanische Aussprache

Als ich angefangen habe, mich mit der spanischen Aussprache zu beschäftigen, wollte ich vor allem eins wissen: Welche Unterschiede muss ich als Deutschsprachiger wirklich beachten?

Ich wollte keine vollständige Einführung in die spanische Phonetik und auch keine Liste sämtlicher regionaler Varianten. Ich wollte ein kleines, verlässliches System, mit dem ich neue Wörter lesen und verständlich aussprechen kann.

Das Angenehme am Spanischen ist: Die Schreibweise ist ziemlich regelmäßig. Wenn ich einige grundlegende Regeln kenne, kann ich die Aussprache der meisten Wörter gut vorhersagen.

Die fünf Vokale bleiben klar

Der wichtigste Punkt sind für mich die Vokale.

Im Spanischen gibt es fünf grundlegende Vokale:

  • a
  • e
  • i
  • o
  • u

Sie bleiben ziemlich stabil. Anders als im Deutschen verändern sie ihre Klangfarbe kaum, und unbetonte Vokale werden nicht stark abgeschwächt oder verschluckt.

In Wörtern wie

  • casa
  • mesa
  • vino
  • loco
  • luna

bleibt jeder Vokal klar hörbar.

Das klingt zunächst banal. Für Deutschsprachige ist es das aber nicht. Im Deutschen ziehen wir Silben zusammen, reduzieren unbetonte Vokale und machen aus klaren Lauten schnell ein undeutliches „e“ oder „a“.

Im Spanischen funktioniert das nicht gut.

Barcelona besteht hörbar aus den Silben:

Bar-ce-lo-na

Nicht aus etwas wie „Barzlona“.

Betonte Vokale nicht deutsch verlängern

Im Deutschen zeigen wir Betonung oft durch Vokallänge. Ein betonter Vokal wird deutlich länger als ein unbetonter.

Diese Gewohnheit übertrage ich nicht auf das Spanische.

  • vino klingt nicht wie „Wiiino“.
  • casa klingt nicht wie „Kaaasa“.
  • hola klingt nicht wie „Hoooola“.

Die betonte Silbe ist deutlicher, aber der Vokal wird nicht automatisch stark verlängert. Spanisch klingt dadurch kompakter und rhythmisch gleichmäßiger.

Für mich ist das eine der wichtigsten Korrekturen: Die Vokale bleiben klar, aber kurz und kontrolliert.

Das h ist stumm

Das spanische h wird nicht gesprochen.

  • hola beginnt direkt mit dem o
  • hotel beginnt ebenfalls mit dem o
  • ahora klingt ungefähr wie „a-ora“

Das ist eine einfache Regel, aber ich muss mich als Deutschsprachiger aktiv daran erinnern. Ein deutsches oder englisches h gehört dort nicht hin.

Das j klingt wie ein kräftiges ch

Das spanische j klingt nicht wie das deutsche j in „ja“.

Es ist ein rauer Reibelaut, ungefähr wie das ch in „Bach“, oft etwas kräftiger:

  • José
  • jamón
  • trabajo

Dasselbe gilt für den Buchstaben g, wenn danach e oder i folgt:

  • gente
  • girar

Vor a, o und u klingt das g dagegen wie ein normales g:

  • gato
  • goma
  • gusto

Ich merke mir deshalb zwei Gruppen:

  • ga, go, gu mit normalem g
  • ge, gi mit dem rauen ch-Laut

c und z klingen nicht überall gleich

Vor a, o und u klingt das spanische c wie k:

  • casa
  • cosa
  • Cuba

Vor e und i gibt es zwei verbreitete Aussprachen.

In großen Teilen Spaniens klingt der Laut ähnlich wie das englische th in think. In Lateinamerika und in Teilen Spaniens wird er wie s gesprochen.

Deshalb kann cinco in Madrid ungefähr wie „thinco“ klingen, aber in Mexico City cinco wie „sinco“.

Dasselbe gilt für z (stimmhaftes s)::

  • zapato (th) / zapato (s)
  • gracias (th) / gracias (s)
  • corazón (th) / corazón (s)

Beide Varianten sind korrekt.

Für mich ist am Anfang vor allem wichtig, dass ich mich nicht von den unterschiedlichen Aussprachen irritieren lasse. Ich entscheide mich für eine Variante und bleibe zunächst dabei.

v ist kein deutsches w

Das spanische v klingt nicht wie das deutsche w.

Spanisches b und v werden weitgehend gleich ausgesprochen. Am Wortanfang oder nach einer Pause ähneln beide einem b.

Vino klingt deshalb eher wie „bino“ als wie deutsches „wino“. Vamos beginnt ebenfalls eher mit b als mit w.

Zwischen Vokalen wird dieser Laut oft weicher. Die Lippen schließen sich dann nicht vollständig.

Für den Anfang reicht mir aber eine einfache Regel:

Ein spanisches v ist kein deutsches w.

ll und y klingen oft ähnlich

In vielen Regionen werden ll und y ähnlich ausgesprochen.

Als erste Annäherung funktioniert für mich ein deutsches j:

  • yo ungefähr wie „jo“
  • llama ungefähr wie „jama“
  • calle ungefähr wie „kaje“

Es gibt deutliche regionale Unterschiede. In Argentinien und Uruguay klingt dieser Laut oft eher wie sch oder ein weiches dsch.

Für eine erste verständliche Aussprache ist das aber nicht entscheidend. Ich brauche zunächst eine Variante, die zuverlässig funktioniert.

ñ klingt wie nj

Das ñ ist ein eigener Buchstabe. Es klingt ungefähr wie nj:

  • España
  • niño
  • mañana

Für deutsche Ohren ist dieser Laut nicht besonders fremd. Einen ähnlichen Übergang hören wir im Wort „Spanien“.

Wichtig ist nur, das ñ nicht wie ein gewöhnliches n auszusprechen.

Das spanische r entsteht vorne im Mund

Das spanische r entsteht nicht hinten im Hals.

Die Zungenspitze bewegt sich vorne am Zahndamm, direkt hinter den oberen Schneidezähnen.

Ein einfaches r ist meist nur ein kurzer Zungenschlag:

  • pero

Ein rr wird stärker gerollt:

  • perro

Auch am Wortanfang wird das r kräftiger ausgesprochen:

  • rojo
  • rápido

Der Unterschied zwischen pero und perro ist bedeutungsentscheidend. Das eine bedeutet „aber“, das andere „Hund“.

Trotzdem konzentriere ich mich am Anfang nicht zu stark auf ein perfektes gerolltes r. Klare Vokale und die richtigen Konsonanten machen für die Verständlichkeit zunächst mehr aus.

qu klingt wie k

Die Buchstabenkombination qu klingt wie k. Das u wird nicht gesprochen:

  • que
  • queso
  • quiero

Auch in gue und gui bleibt das u normalerweise stumm:

  • guerra
  • guitarra

Wenn das u tatsächlich gesprochen wird, bekommt es ein Trema:

  • pingüino
  • vergüenza

Das Trema zeigt also direkt an, dass das u hörbar bleibt.

Die wichtigste Umstellung

Spanische Aussprache ist nicht deshalb schwierig, weil die Schreibweise chaotisch ist. Im Gegenteil: Die Regeln sind überschaubar.

Die eigentliche Schwierigkeit liegt darin, deutsche Gewohnheiten abzulegen.

Ich muss:

  • die Vokale klar aussprechen
  • unbetonte Silben nicht verschlucken
  • betonte Vokale nicht übermäßig verlängern
  • v nicht wie deutsches w sprechen
  • h konsequent weglassen
  • j und ge beziehungsweise gi als rauen Reibelaut sprechen

Wenn das funktioniert, klingt mein Spanisch bereits deutlich besser. Das perfekt gerollte r kann später kommen.